Solar-UV-Belichtungsmesser für Cyanotypie
(und andere historische Fotoprozesse)

Grundidee und Ausgangsprojekt

Die Grundlage dieses Geräts ist das „Solar UV Exposure Meter"-Projekt von Wagner Lungov (São Paulo, Brasilien), einem Physiker, Fotografen und gegenüber analogen Prozessen aufgeschlossenen Bastler. Die vollständige Originaldokumentation findet sich auf seiner Website: apenasimagens.com.

Das Grundprinzip: Das Gerät misst nicht Zeit, sondern UV-Energie. Ein UV-Sensor erfasst kontinuierlich die einfallende UV-Strahlung. Ein Mikrocontroller summiert diese Messwerte auf – und gibt ein akustisches Signal, sobald ein vorher eingegebener Energiewert erreicht ist. Das Ergebnis: Belichtungen, die unabhängig von Tageszeit, Bewölkung oder Jahreszeit reproduzierbar konsistente Ergebnisse liefern. Wer morgens einen Teststreifen belichtet und nachmittags druckt, bekommt dieselbe Energie – auch wenn die Sonne zwischenzeitlich hinter Wolken verschwunden war.

Das Gerät ist besonders nützlich für Cyanotypie, Van-Dyke-Brown, Gum-Bichromat und andere historische Prozesse, die auf UV-Licht angewiesen sind.

Abweichungen vom Originalprojekt

Mikrocontroller: Arduino Uno statt Pro Mini

Im Original wird ein Arduino Pro Mini verwendet. Für diesen Aufbau wurde ein Arduino Uno eingesetzt – primär weil er bereits vorhanden war und weil der integrierte USB-B-Anschluss die Programmierung und Stromversorgung vereinfacht (kein separates USB-Seriell-Interface nötig).

UV-Sensor: GUVA-S12SD

Im Original wird ein anderer Sensor verwendet. Hier kommt der GUVA-S12SD zum Einsatz – ein günstiger, weit verbreiteter analoger UV-Sensor mit nur 3 Pins (VCC, GND, SIG), was die Verdrahtung gegenüber dem Originalsensor minimal vereinfacht. Der Sketch wurde entsprechend angepasst (uvLevel_shift = 0 statt 200 im Original, da der GUVA-S12SD eine andere Empfindlichkeitscharakteristik hat).

Der GUVA-S12SD erfasst Licht im Bereich 240–370 nm, also UV-B und den größten Teil von UV-A. Für Cyanotypie relevant ist primär UV-A (320–400 nm). Der Sensor misst also auch UV-B-Anteile, was theoretisch die Messung verfälschen könnte.

Einfache Lösung: Glasfilter Der Sensor ist in einem kleinen 3D-gedruckten Sensorgehäuse verbaut, das mit einer Glasplatte abgedeckt ist. Normales Fensterglas filtert UV-B effektiv heraus und transmittiert praktisch nur UV-A – und macht den günstigen Sensor für Cyanotypie-Zwecke genauso tauglich wie teurere UV-A-spezifische Alternativen.

Die Glasplatte muss 2 mm dick sein und die Maße 17 × 47 mm haben – dann lässt sie sich passgenau in die vorbereitete Nut im Sensorgehäuse einschieben und sitzt fest ohne weitere Befestigung. Eine praktische Bezugsquelle: ein günstiger 10×15-cm-Bildhalter aus dem Drogerie- oder Bilderrahmenhandel. Das darin verwendete Glas ist in der Regel einfaches 2-mm-Floatglas, das sich mit einem Glasschneider leicht auf Maß schneiden lässt.

⚠️ Kein Museumsglas verwenden! Museumsglas ist nicht nur entspiegelt, sondern filtert auch UV-A stark heraus – und würde damit genau den Spektralbereich blockieren, den der Sensor messen soll.

Keypad-Anpassung

Das verwendete Membran-Numpad (Klebe-Keypad) war abweichend vom Original intern verschaltet. Die Pinbelegung im Sketch musste entsprechend angepasst werden:

byte rowPins[ROWS] = {3,4,5,6};
byte colPins[COLS] = {7,8,9};
Hinweis für Nachbauer Die interne Verschaltung von Membran-Keypads ist nicht standardisiert und kann je nach Hersteller und Modell variieren – auch wenn die Keypads äußerlich identisch aussehen. Es empfiehlt sich, die eigene Pinbelegung mit einem Multimeter (Durchgangsmessung) zu prüfen und den Sketch bei Bedarf anzupassen. Im Zweifel hilft es, alle Tastenkombinationen systematisch durchzumessen und die resultierende Matrix mit der im Sketch hinterlegten zu vergleichen.

Stromversorgung: USB-Powerbank

Statt Batterien oder fest eingebautem Akku wird das Gerät über eine handelsübliche USB-Powerbank betrieben. Ein normales USB-A-auf-USB-B-Kabel (Druckerkabel) führt von der Powerbank zum Arduino Uno und ist durch die Gehäusewand nach außen geführt. Das hat zwei Vorteile: Stromversorgung im Betrieb, und bei Bedarf können Sketch-Updates direkt über dasselbe Kabel eingespielt werden.

Problem Powerbank-Abschaltung: Viele Powerbanks schalten sich automatisch ab, wenn der Stromverbrauch zu gering erscheint (typisch unter 50–100 mA). Der Gesamtverbrauch des UV-Meters liegt mit ~80 mA grenzwertig nah an dieser Schwelle.

Lösung: Ein 100Ω-Widerstand (0,25 W) wurde parallel zu VCC und GND am Display-Anschluss eingelötet. Er zieht dauerhaft ~50 mA zusätzlich und hält die Powerbank zuverlässig wach. Der Widerstandskörper bleibt frei (nicht in Schrumpfschlauch), da er bei 0,25 W Verlustleistung handwarm wird. Ergänzend enthält der Sketch eine minimale Erweiterung, die alle 20 Sekunden die interne LED des Arduino für 50 ms einschaltet – als zusätzliche Absicherung, mit vernachlässigbarem Einfluss auf die Laufzeit.

Eine vollgeladene 5000-mAh-Powerbank liefert damit rund 25 Stunden Betriebszeit – mehr als ausreichend für intensive Seminartage.

Gehäuse und Aufbau

Gehäuse und Sensorcase wurden in Fusion 360 konstruiert und mit einem FDM-3D-Drucker gedruckt. Alle Komponenten (Arduino, OLED, Keypad, Sensor-Breakout) wurden auf einer Lochstreifenplatine verlötet. Die gesamte Platine ist schlicht mit Heißkleber am Gehäusedeckel befestigt – dadurch lässt sich das Gerät jederzeit einfach öffnen und das komplette Innenleben liegt offen zugänglich.

Das Gehäuse wird mit 3 Holzschrauben (1,4 × 3 mm, Halbrund- oder Linsenkopf – kein Senkkopf) verschlossen. Senkkopfschrauben sind ungeeignet, da das 3D-gedruckte Material keine ausreichende Fase für eine saubere Versenkung bietet.

Die USB-Powerbank ist mit Klettverschluss an der Gehäuseunterseite befestigt. Gerät und Powerbank lassen sich so als eine Einheit handhaben; die Powerbank kann aber jederzeit abgenommen und separat aufgeladen werden.

[Video: Bedienung]

Bedienung

  1. Gerät einschalten (Powerbank-Taste). Das Gerät initialisiert sich in 5 Sekunden.
  2. Belichtungswert über das Numpad eingeben (dreistellig).
  3. Mit # Belichtung starten – das Gerät zählt die UV-Energie kumulativ auf.
  4. Bei Erreichen des Zielwerts ertönt ein akustisches Signal.
  5. Mit * kann pausiert und fortgesetzt werden.
Bewährter Erfahrungswert Ein eingegebener Wert von 400 liefert bei Cyanotypien nach dem klassischen Grundrezept (Ammoniumeisen(III)-citrat + Kaliumferricyanid) gut und satt belichtete Ergebnisse.

Materialien

Basierend auf dem Originalprojekt von Wagner Lungov – apenasimagens.com